ROLF NESCH. Sammlung des Arts

Midissage am Dienstag, den 7. Mai 2024, von 18 bis 20 Uhr.

Rolf Nesch (1893–1975) gehört mit der Erfindung des „Metalldrucks“ zu den wichtigsten Neuerern der Druckgraphik. Er durchbohrte die Druckplatte, reicherte sie mit metallischen Gegenständen an und erzeugte so eine expressive, schrundige Struktur des bedruckten Papiers. Die Galerie St. Gertrude präsentiert exklusiv die Sammlung seiner Freunde und Förderer Helene und Reinhard des Arts, die die Vielfalt und den Erfindungsreichtum seines Œuvres zeigt.

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler und dem Besuch der Stuttgarter Kunstgewerbeschule studierte Nesch ab 1912 an der Dresdner Kunstakademie. Unterbrochen durch den Kriegsdienst, nahm er nach seiner Rückkehr aus englischer Gefangenschaft 1919 das Studium u.a. bei Oskar Kokoschka wieder auf und erhielt ein Meisteratelier. Während eines mehrwöchigen Aufenthaltes 1924 bei Ernst Ludwig Kirchner erlernte er verschiedene Drucktechniken.

1925 zog er nach Berlin und 1929 weiter nach Hamburg, wo er gemeinsam mit den Künstlern der Hamburgischen Sezession ausstellte und engagierte Freunde und Förderer fand. Neben Gustav Schiefler und dem damaligen Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, Max Sauerlandt, waren dies vor allem Helene und Reinhard des Arts, die eine umfangreiche Sammlung zusammentrugen. In dieser Zeit entstanden auch drei seiner wichtigsten Graphikzyklen, „Karl Muck und sein Orchester“ (1931), „St. Pauli“ (1931) und „Hamburger Brücken“ (1932). 1933 emigrierte Nesch nach Norwegen, wo er 1975 verstarb.

Die stilistisch wie technisch prägende Begegnung mit Kirchner setzte eine große Experimentierfreude frei. Nesch entdeckte versehentlich die Technik der „Durchätzung“ und gilt als Erfinder des „Metalldrucks“, der Hoch- und Tiefdruckverfahren kombiniert. Mittels Durchbohrungen, Drähten, Lochblechen und Gittern, mit denen er die Druckplatte anreicherte, verlieh er dem bedruckten Papier eine reliefartige, schrundige Flächenstruktur. In Norwegen entwickelte er die Druckstöcke durch Verwendung von Fundstücken, Glasscherben oder Korken zu regelrechten „Materialbildern“ weiter.

Nesch war 1955, 1959 und 1964 auf den ersten drei Dokumenten, auf der Biennale von São Paulo (1955 und 1973) und der Biennale von Venedig (1962) vertreten. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Lichtwark-Preis der Stadt Hamburg (1958), die Prinz Eugen Medaille und wurde zum Kommandeur des Königlichen norwegischen St.-Olav-Ordens ernannt (beides 1973).

Enquiry