Vernissage am Donnerstag, den 6. Oktober 2022 ab 18 Uhr.
Es spricht: Veronika Schöne.

Ein frischer Blick auf zwei exzessive und experimentierfreudige Künstler: Janssen und Roth haben die Grenzen der Druckgraphik erweitert und in der Auseinandersetzung mit ihren Möglichkeiten neue bildnerische Ausdrucksformen entwickelt. Janssens spielerische Formfindungsprozesse, seine Phantasmagorien, Assoziationen und Analogien entfalten in dieser Gegenüberstellung eine besondere Kraft.

Horst Janssen und Dieter Roth zählen zu den bedeutendsten Graphikern der jüngeren Kunstgeschichte. Ihr druckgraphisches Oeuvre ist extensiv, obsessiv und äußerst experimentierfreudig. Beide beherrschen sämtliche traditionellen Techniken, die sie an ihre Grenzen treiben – oder sogar darüber hinaus. So ‚druckt' (oder ‚drückt', wie er selbst sagte) Dieter Roth auch mit Schokolade und Käse und quetscht und presst dreidimensionale Objekte.

Ihr Umgang mit den traditionellen Techniken ist äußerst frei und unorthodox. Janssen und Roth lassen sich von ihnen zu neuen Bildsprachen anregen und entwickeln im Dialog mit den graphischen Möglichkeiten assoziative Ausdrucksformen. Besonders im Frühwerk zeigt sich Janssens virtuoser Umgang mit Geometrie und Konstruktion im Holzschnitt und ein diffuses Spiel mit Licht und Schatten in der Litho. Mit millionenfachen Strichen treibt er wiederum die Radierung an ihre Grenzen, um sich nicht der ‚einfachen‘ Effekte der Litho zu bedienen. Die Druckgraphik ist ihm Anregung und Widerstand zugleich.

„Meine Auge ist ein Mund und mein Mund ist ein Auge“ bezeichnet Roth 1969 eine Radierung, die aus roten Linien gebildete Köpfe zeigt. Er spielt mit den Analogien von Mund und Auge und beschreibt damit seinen die Sinnesgrenzen überschreitenden Umgang mit Formen und Materialien – ein Spiel, das auch Janssens oft ins Phantastische ausgreifendes Formverständnis prägt.