Jürgen Brodwolfs charakteristisches Erkennungsmerkmal sind menschliche Figuren. Aus leeren Farbtuben modelliert, beherrschen sie seit den späten 50er Jahren sein Schaffen und spiegeln in unnachahmlicher Weise essenzielle menschliche Erfahrungen und Emotionen wider. In Verbindung mit ungewöhnlichen, oft überraschenden Materialien entstehen poetische Werke voller Tiefe und Nachdenklichkeit.

Die „Tubenfigur“ stellt für Brodwolf eine „archetypische, idolhafte Kunstfigur“ dar, deren Ausdrucksmöglichkeiten er seit nunmehr fünf Jahrzehnten auslotet. Obwohl die Tubenobjekte einen deutlichen Grad an Abstraktion besitzen, evozieren sie doch augenblicklich beim Betrachter Assoziationen an menschliche Figuren. Mit minimalen Veränderungen gelingt es Brodwolf, der zu den wichtigsten Vertretern figurativer Kunst gehört, seinen Tubenfiguren das gesamte Spektrum des menschlichen Lebens einzuschreiben. Aufgrund ihrer Körpersprache können sie Lachen und Weinen, Tanzen und Leiden, allein sein oder Nähe erfahren.

Nachdem Brodwolf sich den Figuren zu Anfang noch einzeln und in Form von Zeichnungen nähert, werden sie im Laufe der Zeit immer plastischer, wird die Tube selbst zum Objekt und zum Werk und tritt zunehmend auch in Gruppen auf. Durch den Nachbau der kleinen Figuren mit Bleiblech in größeren Dimensionen steigert sich deren Präsenz in den 60er Jahren. Seit Beginn der 70er Jahre nimmt zudem ihre Haptik zu, indem die menschlichen Figuren nun auch zunehmend aus textilen Geweben gefertigt werden, wodurch sie in ihrer einmaligen abstrakten Ausdrucksstärke sogar noch gewinnen.

Gleichzeitig setzt sich Brodwolf intensiv mit der Behandlung von Oberflächen auseinander. Er bearbeitet sie mit Kaffeesatz, Tinte, Tusche, Schlämmkreide oder flüssigem Wachs, wodurch der Eindruck entsteht, dass sich Spuren des Lebens eingegraben haben, dass den Werken nicht nur inhaltlich, sondern auch materiell das menschliche Werden und Vergehen eingeprägt ist.

Durch das stetige Aufgreifen einer Grundform und die daraus resultierenden, in ihrer Vielfältigkeit erstaunlichen Variationen, hat Brodwolf ein Gesamtwerk geschaffen, welches insbesondere durch Konsequenz und Geschlossenheit überzeugt. Der Erfolg seiner Formfindungen zeigt sich in den zahlreichen Ausstellungen und Preisen, welche sein Schaffen seit den 1970er Jahren begleiten.


Vita


1932

in Dübendorf bei Zürich geboren

1948-52
Ausbildung als Zeichner und Lithograph in der Kunstanstalt
Brügger, Meiringen.

1950-52
Besuch der Graphikklasse Eugen Jordi an der
Kunstgewerbeschule Bern.

1955

Eidgenössisches Kunststipendium für Malerei

1955-60
Tätigkeit als Freskenrestaurator

1956
Heirat mit der Restauratorin Adelheid Ueberwasser

1959
Entdeckung der Tubenfigur

1968
Stipendium der Akademie der Künste in Berlin

1970

Förderpreis der Reinhold-Schneider-Stiftung, Freiburg

1975

Kunstpreis der Böttcherstrasse, Bremen

1976-82

Professur für Zeichnen an der Fachhochschule für
Gestaltung, Pforzheim

1981
Hans-Thoma-Preis für Malerei des Landes
Baden-Württemberg

1982-1994

Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie
der bildenden Künste, Stuttgart

1986

Kunstpreis der Stadt Darmstadt

1989
Kunstpreis der Stadt Stuttgart

1995
Kunstpreis der Künstler, Düsseldorf

2011
Erich-Heckel-Preis

Lebt und arbeitet in Kandern, Südbaden


Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl)

2015
galerie pro arte, Freiburg
Galerie der Stadt Tuttlingen, Tuttlingen

2014
Galerie Schoots + van Duyse, Antwerpen
Galerie Stahlberger, Weil am Rhein
Galerie Boisserée, Köln

2013
Galerie Fluchstab, Staufen
artplosiv München Gallery

2012

Kunstmuseum Villa Haiss, Baden
Kunstverein Schallstadt, Schallstadt
MMK Museum Moderner Kunst - Stiftung Wörlen, Passau
Galerie Schlichtenmaier, Grafenau

2011
galerie pro arte, Freiburg

2010   
Galerie Boisserée, Köln
Kunstsammlungen Chemnitz
Mathildenhöhe, Darmstadt
Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen

2009   
Kunstsammlung Neubrandenburg
Galerie Raimund Voegtle, Karlsruhe
Kunstkaten, Ahrenshoop
Galerie Parterre, Berlin   
Städtische Galerie, Bietigheim-Bissingen
Kunstverein Bad Salzdetfurth, Bodenburg   
Galerie Henze&Ketterer, Bern

2008   
Künstlerhaus, Ahrenshoop
Arte Moderna Ammann, Locarno
Kunsthalle Wil im Hof, Wil
Kunstverein Bad Salzdetfurth, Bodenburg
Galerie Henze&Ketterer&Triebold, Riehen
Galerie Roland Aphold, Allschwil
Galerie Willy Schoots, Eindhoven

2007   
Institut für moderne Kunst, Nürnberg
Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart
Galerie Levy, Hamburg
Kunstverein, Siegen
Galerie Henze&Ketterer, Bern
Galerie pro arte, Freiburg

2006   
Kunstmuseum Alte Post, Mühlheim a. d. Ruhr
Schloss Moyland, Bedburg-Hau
Galerie Fluchtstab, Staufen im Breisgau
Galerie Henze&Ketterer&Triebold, Riehen
DASA, Dortmund

2005   
Kunsthalle Harry Graf Kessler, Weimar
Museum für neue Kunst, Freiburg
Art Isotope, Dortmund
Galerie Schlichtenmaier, Grafenau
Badischer Kunstverein, Karlsruhe
Deutsche Guggenheim, Berlin   

2004   
Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Galerie Heinz Bossert, Köln
Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart
Galerie Boisserée, Köln
Kunstverein, Eislingen
Kunstverein Bad Salzdetfurth, Bodenburg
Galerie Maulberger, München
Galerie Henze&Ketterer, Bern

2003   
Kunstmuseum Bayreuth
Micus-Museum, Ibiza

2002   
Kunsthalle Villa Kobe, Halle an der Saale
Galerie Schlichtenmaier, Grafenau
Kunstverein Kirchzarten

2001   
Universitätsmuseum für bildende Kunst, Marburg
Galerie Rothe, Frankfurt
Galerie Dorn, Stuttgart
Städtische Sammlungen, Schweinfurt
Städtisches Kunstmuseum Spendhaus, Reutlingen

2000   
Galerie Henze&Ketterer, Bern

1999   

PCC-Kunstraum Weimar
Kunstverein Bad Salzdetfurth, Bodenburg
Kunsthalle Mannheim

1998   
Kunstverein Würzburg

1997   
Kunstverein Jena
Museum Osnabrück

1996   
Kunstverein Pforzheim

1995   
Märkisches Museum, Witten
Lindenau-Museum, Altenberg

1993   
Forum Rottweil
Gerhard Marcks-Haus, Bremen

1992   
Institut Mathildenhöhe, Darmstadt
Galerie der Stadt Stuttgart

1988 
  
Institut für moderne Kunst, Nürnberg

1987   
Kunststation St. Peter, Köln

1986   
HansThoma-Gesellschaft, Reutlingen

1985   
Sprengel Museum, Hannover
Städtische Galerie, Nordhorn

1984 
  
Städtische Galerie, Erlangen
Kunstverein Ingolstadt

1982   
Kunstverein Ulm
40. Biennale Venedig

1981   
Hans-Thoma-Museum, Bernau

1979   
Kunstverein Kassel
Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen

1978   
Kunstverein Hochrhein, Bad Säckingen

1977   
Paula-Modersohn-Becker-Haus, Bremen
documenta 6, Kassel

1976   
Kunstverein München
Heidelberger Kunstverein
Kunstverein Braunschweig

1975   
Karl Ernst Losthaus-Museum, Hagen
Wilhelm-Lehmbruck Museum, Duisburg

1974   
Kunstverein Freiburg

1973   
Württembergischer Kunstverein, Stuttgart