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Dieter Roth gilt als einer der größten Universalkünstler des 20. Jahrhunderts. Sein umfangreiches und vielfältiges Werk beinhaltet Graphik, Film, Fotos, Objekte, Gedichte, Künstlerbücher und Aktionen. Er schuf wuchernde, raumgreifende Installationen, schrieb Gedichte und Tagebücher, machte Musik und designte sogar Schmuck und Möbel. Immer stellte er Grenzen infrage, bewegte sich zwischen den Gattungen, bezog den Betrachter mit ein, eröffnete multisensorische Rezeptionsmöglichkeiten und ging mit anderen Künstlern Kooperationen ein.

Besonders berüchtigt war er für seine Nutzung von Lebensmitteln wie Käse und Schokolade, aber auch Fleisch und Wurst sowie Gewürzen. Der Verfall und der Befall mit Schimmel und Ungeziefer, das er liebevoll seine Helfer nannte, waren dezidierter und willkommener Teil der Arbeiten. Werk und Autorschaft wurden radikal infrage gestellt, was ihm den Ruf eines veritablen „Antikünstlers“ eintrug.  

Roths vielgestaltiges Werk zeichnet sich nicht nur durch eine grenzüberschreitende, an den Grundfesten bürgerlichen Kunstverständnisses rüttelnde Praxis aus, sondern auch durch eine äußerste komplexe Reflektion über die Grundlagen von Kunst und Kommunikation. Roth, der sich mindestens ebensosehr als Dichter wie als bildender Künstler verstand, kreiste um die Frage nach Verständigung und Verstehen, um das Verhältnis von Bild und Sprache zur Wirklichkeit, was von ihm aus einer ironischen Distanz mal spielerisch, mal deftig kommentiert wurde. In der Mitte zwischen der Willkür der Welt einerseits und der Konstruiertheit der Kunst andererseits stand er selbst, gespiegelt in zahllosen Künstler- und Tagebüchern, Selbstporträts und -aufzeichnungen wie den „Soloszenen“.