Biography

Dieter Roth, geb. 1930 in Hannover, absolvierte zunächst eine Lehre als Werbegraphiker. Da er keine Anstellung fand, begann er Anfang der 1950er Jahre, als freier Künstler zu arbeiten. Sein vielfältiges, alle Gattungsgrenzen überschreitendes Werk umfasst die ganze Bandbreite von Graphik, Objekten, Installationen, Film, Fotos, Gedichten, Tagebüchern, Künstlerbüchern und Aktionen. Im Frühwerk noch stark von den Züricher Konkreten um Max Bill geprägt, wandte er sich, angeregt durch die „Nouveaux Réalistes“, Anfang der 1960er Jahre der Alltagswelt zu. Berühmt wurden seine Experimente mit organischen Materialien und Lebensmitteln und ihren Verfallsprozessen. Roth nahm 1969 und 1977 an der documenta in Kassel teil, 1982 vertrat er die Schweiz auf der Biennale von Venedig. Seit 1957 pendelte er zwischen Island, Deutschland und der Schweiz. Er starb am 5. Juni 1998 in Basel.

CV

Leben und Werk

1930
geboren in Hannover; Vater Karl ist Schweizer, Mutter Vera Deutsche.
1943
Umzug in die Schweiz zu Pflegeeltern, Roth beginnt Gedichte zu schreiben und fertigt erste Zeichnungen, Pastelle und Aquarelle an
1946
Eltern kommen in die Schweiz, leben in Herisau. Besuch des Gymnasiums in St. Gallen. Erste Radierung „Selbstbildnis auf Dosenblech", entsteht.
1947 – 1951
bricht das Gymnasium ab. Graphiker-Lehre in Bern bei Friedrich Wüthrich (bsi 1951). Erlernt alle wichtigen Drucktechniken. Erste Linol- und Holzschnitte.
1951
gemeinsam mit Marcel Wyss und Eugen Gomringer Gründung der Zeitschrift spirale, die von 1953 bis 1964 in neun Ausgaben erscheint.
1954
erste Versuche mit Lebensmitteln; Spirale aus Brotteig – als Beitrag für einen Wettbewerb des Grafikerverbandes; erste Experimente mit Op Art; erste Rasterbilder und kinetische Objekte.
1955
Arbeit als Textildesigner in Kopenhagen.
1957
Umzug nach Reykjavik zu Sigri∂ur Björnsdóttir; erste Schmuckentwürfe.
1961
Gründung des Möbelhauses Kùlan in Reykjavik; erste Kontakte zu Richard Hamilton. Letzte Beiträge zur Konkreten Poesie. Die erste Literaturwurst entsteht.
1963
Zusammenarbeit mit dem Verleger Hansjörg Mayer, erste Schimmelbilder.
1964
Lehrauftrag an der Yale University in New Haven, den er aufgrund von Differenzen bald wieder aufgeben muß; Kontakt zu Mitgliedern der Fluxusbewegung wie Nam June Paik und George Brecht.
1965
Lehrauftrag an der Rhode Island School of Design in Providence; Experimente mit organischen Materialien, besonders im Bereich der Druckgrafik („Pressungen“ und „Quetschungen“).
1968
Roth unterrichtet an der Watford School of Art in London und an der Kunstakademie in Düsseldorf (bis 1971).
1970 – 1971
Zusammenarbeit mit Stefan Werwerka und Richard Hamilton.
1973
Roth beginnt mit seiner „Sammlung flachen Abfalls“; Musikprojekt mit Gerhard Rühm und Oswald Wiener.
1977
Erste Schnellzeichnungen, die Speedy-Drawings, entstehen. Ausstellung der „interfaces“ von Roth und Hamilton in New York.
1978
In Zusammenarbeit mit Arnulf Rainer entsteht „Misch- und Trennkunst“. Weitere Musikprojekte mit Attersee, Nitsch, Rühm, Thomkins und Wiener.
1980
Verstärkte Zusammenarbeit mit Björn Roth; erste „Tischmatten“.
1991
Gründung der Dieter Roth Foundation in Hamburg; Roth inszeniert mit seinem „Schimmelmuseum“ eine Installation der Vergänglichkeit.
1997
Die Filme „Soloszenen“ werden in Basel aufgeführt und 1999 im Rahmen der Biennale in Venedig erneut gezeigt.
1998
Roth stirbt am 5. Juni in seinem Atelier in Basel an Herzversagen.

Stipendien und Preise

1998
art multiple-Preis, Düsseldorf
1994
Kunstpreis Berlin – Jubiläumsstiftung 1848/1948
1991
Prix Caran d'Ache Beaux-Arts
1989
Lichtwark-Preis, Hamburg
1986
Maastrichter Charles Nypels-Preis für seine Bücher
1984
Kunstpreis der NORD/LB, Hannover
1982
Rembrandt-Preis der Johann Wolfgang Goethe-Stiftung im Basler Kunstmuseum
1980
Preis der Stiftung für die Graphische Kunst in der Schweiz
1969
Kunstpreis der Stadt Iserlohn
1960
Preis der William und Norma Copley Stiftung (Jury: William Copley, Marcel Duchamp, Max Ernst, Herbert Read, Richard Hamilton)
1954
Kiefer Hablitzel Stipendium

Einzelausstellungen (Auswahl)

2022 – 2023
„Dieter Roth. Gespresst – gedrückt – gequetscht. Material- und Druckgraphik", Sammlung Falckenberg – Deichtorhallen Hamburg
2014 – 2015
„Und weg mit den Minuten. Dieter Roth und die Musik", Kunsthaus Zug und Hamburger Bahnhof, Berlin
2013
„Dieter Roth – Diaries", Camden Arts Center, London
 
„Wait. Later this will all be nothing: Editions by Dieter Roth", Museum of Modern Art, New York
2011 – 2012
„Dieter Roth – Selbste", Aargauer Kunsthaus, Aarau, Schwei, und Museum der Moderne Mönchsberg, Salzburg, Österreich
2014 – 2015
„Dieter Roth. Balle Balle Knalle", Kunstmuseum Stuttgart
2010
„Dieter Roth – Das Tränenmeer", Kunsthalle Luzern
2009 – 2010
„Dieter Roth – Souvenirs", Kunstmuseum Stuttgart
2008
„Drehmomente: Filme von Dieter Roth", Sprengel Museum, Hannover
 
„Les Bijoux de Dieter Roth", Musée des Arts décoratifs, Paris
2007 – 2008
„Arnulf Rainer / Dieter Roth, Misch- und Trennkunst", Deichtorhallen Hamburg
2006
„Dieter Roth – Alte und neue Werke aus der Sammlung Maria und Walter Schnepel", Neues Museum Weserburg, Bremen
2005
„Dieter Roth & Dorothy Iannone", Sprengel Museum Hannover mit Stiftung Ahlers Pro Arte Hannover
2003 – 2004
„Roth-Zeit", Retrospektive im Schaulager Basel, Museum Ludwig, Köln und Museum of Modern Art, New York
2001
„Dieter Roth: La pell del món + altres coses més", MACBA, Barcelona
2000 – 3
„Die Haut der Welt", Staatsgalerie, Archiv Sohm, Stuttgart
1998
„Gedrucktes, Gepresstes, Gebundenes. Druckgrafik und Bücher 1949-1979", Graphische Sammlung Albertina, Wien
1984
„Dieter Roth", Museum of Contemporary Art, Chicago
1982
„Dieter Roth", Nylistasafnid, The Living Art Museum, Reykjavík
 
vertritt die Schweiz auf der 40. Biennale von Venedig
1977
„Collaborations. Richard Hamilton, Dieter Roth", Fundació Joan Miró Barcelona
 
Teilnahme an der documenta 6 in Kassel
1974
„Originale 1946-74", Kunstverein in Hamburg
1973 – 1974
„Books and Graphics 1947-1971", The Art Gallery of Ontario, Toronto , Museum of Art, Philadelphia und The Contemporary Arts Museum
1968
Teilnahme an der documenta 4 in Kassel