Info

Im St. Gertrude Shop: Literatur zu Gustav Kluge.

Gustav Kluge gehört zu den wichtigsten deutschen Malern seit den 1980er Jahren. Während alle Welt sich der Abstraktion verschrieb, malte er konsequent figurativ. Im Unterschied zu den „Jungen Wilden" jedoch blieben seine Themen existenzialistisch grundiert, sie reichen in die Tiefen, bisweilen auch in die Abgründe menschlichen Seins.  

Kluge wendet sich gegen das Mittelmaß, gegen das allzu Naheliegende, allzu Handhabbare. Sein Nachdenken über die conditio humana schöpft aus einem schmerzhaften Empfinden, das sich nicht nur thematisch zeigt, sondern seinen Werken materiell und prozessual eingeprägt ist. Neben den aus zahlreichen Schichten aufgebauten und immer wieder umgeformten Malereien hat er auch ein umfangreiches Werk von Holzdrucken und Druckstöcken geschaffen, das der existenziellen Wucht und Unmittelbarkeit seiner Gemälde in nichts nachsteht. Unprätentiös vernutzte Alltagsmaterialien wie schäbige Tischlerplatten, Türblätter oder billig zusammengenagelte Bohlen und Bretter dienen ihm als Druckstöcke für oft großformatige Arbeiten, die an Häutungen erinnern und eine verletzte Menschlichkeit metaphorisch umschreiben.

In metaphorischen Bögen und assoziativen Schleifen, gespickt von Anspielungen aus der Literatur- und Geistesgeschichte, kreist Kluge um Themen, die er ins Zeitlos-Ewigmenschliche entrückt: „Dem nachdenklichen und belesenen Künstler, der Kluge ist, gerät der quälende Stoff zur Einsicht, daß sich diese Welt nur darstellen läßt, wenn die Tatsachen in den Rang von Metaphern gehoben werden“, schreibt Werner Hofmann 1986 über die Holzdruckserie „Gegenchronik“.